| Lost in the arms of destiny |
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| Geschrieben von: Kuutamo | |||
| Freitag, den 06. Mai 2005 um 01:00 Uhr | |||
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-1- Der Raum ist steril, weiß und kalt. Wie jeder Ärzteraum keineswegs hoffnungsvoll. Dort sitzt sie. Zusammen mit ihrer Mutter, die ihre Hand hält, ihr Mut zuspricht und ihr verspricht, dass nichts sein wird, dass sie nicht krank ist. Lange dauert es, bis ein Arzt vorbei kommt und die Beiden aufatmen, doch außer einem mitleidigem Blick tut dieser nichts, geht nach wenigen Minuten nach draußen und lässt die Beiden allein. „Mum?“, dringt die leise Stimme von Lea durch den viel zu ruhigen Raum. „Ja?“ „Ich habe Angst.“ Die 9-jährige krallt sich noch fester in die Hand ihrer Mutter, starrt auf die Wanduhr und hofft, dass jeden Moment ein Arzt in den Raum kommt und die Nachricht überbringt, dass sie nicht krank ist. Seit Wochen hat sie ständig sehr starke Kopfschmerzen, sieht die Umgebung meist verschwommen oder durch einen schwarzen Schleier. Doch die Kopfschmerzen überwiegen und treten am Häufigsten auf. Manchmal kommt es auch vor, dass sie sich nicht mehr bewegen kann. Es ist ein Spiel mit der Ungewissheit, denn keiner der Ärzte, der Lea bisher untersucht hat, konnte etwas herausfinden. Meistens war die Diagnose positiv ausgefallen. Oft war die Rede von Kreislaufproblemen oder zu niedrigem Blutdruck, doch warum Lea sich manchmal nicht bewegen konnte, registrierte bisher niemand. Von dem letzten Arzt, einem Oberarzt aus dem Krankenhaus, wurden sie in eine spezielle Klinik verwiesen, die sich hauptsächlich auf Tumore und Krebs spezialisiert. Als Lea in das Krankenhaus eingewiesen wurde, wurde sie ständig geröntgt und Tausende Untersuchungen musste sie hinter sich bringen. Die Ärzte schwiegen immer mehr, sagten meist gar nichts, wenn die Eltern nach den Befunden fragten. „Wir möchten nichts Falsches sagen, deshalb wollen wir uns sicher sein, bevor wir Ihnen Angst machen.“, war die Antwort des Oberarztes gewesen, nachdem Lea am Kopf geröntgt wurde. Und nun sitzen sie in dem Behandlungsraum. Lea wurde ein weiteres Mal geröntgt und heute wollen die Ärzte herausfinden, was das Mädchen wirklich hat, warum sie ständig gelähmt ist und woher die Kopfschmerzen kommen. Seit fast zwei Stunden sitzen die Beiden in dem Raum, warten auf das Ergebnis, darauf, dass endlich Klartext gesprochen wird. Doch die Ärzte scheuen sich, lassen sich nicht blicken und wenn einer den Raum betritt, dann verlässt er ihn schnell wieder. Lea hält sich mittlerweile wieder den Kopf, schließt die Augen, da sich plötzlich alles vor ihr dreht und wendet. „Diese Kopfschmerzen machen mich wahnsinnig.“, sagt sie leise, lehnt sich an die Lehne des Stuhls an. „Ich weiß, mein Kleines.“ Ihre Mutter krault ihren Kopf, massiert ihre Schläfe und hofft, dass das Warten endlich ein Ende hat. Nach knapp 15 Minuten geht die Tür auf und vier Ärzte betreten den Raum, sehen auf den Boden, schauen traurig aus. Lea und ihrer Mutter stockt der Atem, die Blicke der Männer sprechen Bände. „Nun...wir haben den Befund und sind uns nun sicher.“, beginnt der Eine. Auf seinem Kittel ist der Name „Jahn“ eingesteckt. „Uns wäre es lieber, wenn du für einen Moment den Raum verlässt.“, meint ein Anderer und führt Lea in den Raum nebenan. „Fangen wir mit den bisherigen Untersuchungen an. Die Ärzte, die Lea zuvor behandelt haben, haben alle unrecht gehabt. So leid es uns tut, Frau Schulz, wir haben bei ihrer Tochter einen sehr weit fortgeschrittenen Tumor entdeckt, der sich zu sehr ausgebreitet hat, dass ihre Tochter eine Operation nicht überleben würde. Zeigen Sie Lea, dass Sie nicht allein ist, unternehmen Sie so viel mit ihr wie Sie können, so lange Sie noch die Zeit dazu haben. Wir werden Lea Tabletten gegen die starken Kopfschmerzen geben und die Schwindelanfälle, die Lähmungen, aber mehr können wir nicht tun. Es tut uns Leid.“, sagt Herr Jahn. „Wenn Sie stark sind, dann wird Lea die Wochen, die sie noch leben kann, genießen. Sie dürfen jetzt nicht in Selbstmitleid versinken, das würde Ihrer Tochter nicht viel helfen. Versuchen Sie einfach nur für Lea da zu sein...es tut uns Leid.“ Mit diesen Worten verlässt das Ärzteteam den Raum, lässt die völlig mit Tränen übersäte Mutter allein. Lea erhebt sich, als die Ärzte an ihr vorbei gehen, geht zurück in den Raum, wo ihre Mutter sitzt. „Mum?“ Die sanfte Stimme des Mädchens erfüllt den Raum. Lea klingt traurig. Sie weiß schon lange, dass sie krank ist. Ihr eigener Körper hat es ihr gesagt. Mit Tränen in den Augen lässt sie sich auf den Schoß ihrer Mutter sinken, schlingt die Arme um ihren Hals und weint. „Wie lange kann ich noch leben?“, fragt sie leise, flüsternd. „Nicht mehr lange.“, erwidert ihre Mutter schniefend. „Lass uns nach Hause gehen.“ Hand in Hand verlassen die Beiden das Krankenhaus, nachdem Frau Schulz die Medikamente entgegengenommen hat, und laufen über den großen Parkplatz zu ihrem Auto. Als Beide Platz genommen habe, dreht sich Leas Mutter zu ihrer Tochter. „Hast du einen Wunsch, den ich dir erfüllen kann?“, fragt sie. Ihre Stimme klingt traurig. Der Gedanke, dass ihre Tochter nicht mehr lange lebt, liegt ihr schwer auf der Seele. Es ist fast, als hätte man ihr die Nachricht überbracht, dass jemand gestorben ist. „Na ja...“, beginnt das Mädchen leise. „Mein größter Wunsch ist es schon immer gewesen, dass ich die Nordlichter mal sehen kann. Das Schauspiel, das sich am Himmel erstreckt. Ich würde mir wünschen, dass ich mir mit The Rasmus zusammen die Nordlichter angucken kann, aber leider wird das ja nicht gehen. Ist ja auch ein bisschen viel verlangt. Lass uns einfach nach Hause fahren, ja?“ Lea dreht ihren Kopf zur Seite, sieht aus dem Fenster, betrachtet die Menschen, die an ihr vorbeirasen, während das Auto die Landstraße Richtung Berlin entlang brettert. -2- Auf dem Weg nach Hause schläft Lea ein. Die Bäume, die an ihren Augen entlanggehuscht sind, haben sie müde gemacht. Leas Mutter wirft ihrer Tochter einen Blick zu, betrachtet ihr Kind beim Schlafen. Sie muss lächeln, obwohl sie gern weinen würde. Doch sie will den Moment genießen...die Zeit, in der Lea noch bei ihr ist und sie ihre Tochter noch sehen und in Armen halten kann. Leise schaltet sie die Musik an, schiebt ausnahmsweise die CD von The Rasmus in den CD-Spieler des Autos. Sie weiß wie sehr Lea diese Band liebt und dass sie alles dafür geben würde, um die Vier einmal persönlich zu treffen und doch weiß sie auch, dass sie ihrer Tochter diesen Wunsch nicht erfüllen kann. Zwei Stunden lang brauchen die Beiden, bis sie Berlin erreichen und an ihrem Haus halten. Frau Schulz parkt das Auto in der Garage, beugt sich zu Lea rüber und streicht ihr sanft über das Gesicht. „Wir sind da“, sagt sie leise. Lea öffnet die Augen, fährt sich mit der Hand über diese und nickt dann. Verträumt steigt sie aus dem Auto aus, geht zusammen mit ihrer Mutter zum Eingang des Einfamilienhauses und betritt dieses kurz darauf. Lea wohnt mit ihrer Mutter allein, nachdem ihr Vater die Beiden im Stich gelassen hatte und sich mit einer Anderen aus dem Staub machte. Geschwister hat das Mädchen nicht. Nur ihren kleinen Hund „Blacky“, den sie als Art Bruderersatz ansieht. Als Lea ihr Zimmer betritt, springt Blacky vom Bett, umkreist ihre Füße und kläfft dazu laut. „Na du Faulpelz. Schön geschlafen?“, fragt Lea lachend, streichelt ihrem Hund über den Kopf und klettert dann auf ihr Bett, da ihr ein wenig schwindelig ist. Nach wenigen Minuten kommt ihre Mutter nach oben. In der Hand hält sie Verpackungen, Leas Medikamente. „Ich denke, dass wird die Kopfschmerzen erst mal lindern.“ Lea nickt, nimmt eine Tablette und das Glas Wasser entgegen und lässt schließlich Beides in ihren Mund wandern. „Ich leg mich etwas hin. Ich bin müde.“, sagt sie leise, da lautere Geräusche ihrem Kopf einen schmerzhaften Stich verpassen. Leas Mutter nickt, verlässt das Zimmer und schließt die Tür hinter sich. Seufzend lässt sie sich auf die Couch im Wohnzimmer fallen, schaltet den Fernseher an und zappt durch die Kanäle. Wie immer ist für eine etwas ältere Frau nichts dabei, was man sich am Nachmittag anschauen kann und so wird die Flimmerkiste wieder ausgeschaltet und die Zeitung herbeigeholt. Die Ungewissheit, ob ihre Tochter noch lebt, wenn der nächste Morgen anbricht, holt sie schnell ein. Sie will Lea nicht verlieren. Sie ist doch alles was Frau Schulz noch hat. Mit Tränen in den Augen liest sie sich die Morgenpost durch, als das Telefon klingelt. Sie schluckt die Tränen weg, räuspert sich kurz und meldet sich mit einem knappen „Schulz“ am Telefon. „Schönen guten Tag, Frau Schulz. Mein Name ist Frau Jahn, ich bin die Frau von dem Oberarzt, der ihre Tochter in Behandlung hatte. Er hat mir heute von dem schrecklichen Schicksal erzählt. Da ich bei der Presse arbeite, habe ich mir gedacht, dass ich Ihnen und Ihrer Tochter einen Gefallen tun kann. Ich könnte durch meine Firma arrangieren, dass Lea den größten Wunsch Ihres Lebens erfüllt bekommt. Doch das, was ich dafür verlangen muss, ist, dass ich nach dem Ereignis die Geschichte in der Zeitung veröffentlichen darf und einige Fotos geschossen werden. Wären Sie damit einverstanden?“, haspelt die Frau den Text runter, setzt kein Punkt und Komma. Frau Schulz muss erst mal registrieren, was für ein Angebot ihr da gemacht wurde und hält für wenige Minuten inne. „Das kommt jetzt etwas überraschend, aber ich fände es wahnsinnig toll, wenn Lea ihren Herzenswunsch erfüllt bekommt.“, antwortet sie schließlich. Frau Jahn gibt ein zustimmendes „mmmh“ von sich. „Ich kann mir gut vorstellen, was für ein schreckliches Gefühl es ist...ich bin selbst Mutter von zwei Kindern und wenn ich mir vorstelle, dass meine Tochter jeden Tag sterben könnte...aber reden wir nicht davon. Wissen Sie, was Lea sich wünscht? Was sie erleben möchte, bevor sie geht?“ „Ja, das habe ich sie vorhin noch gefragt. Aber ihr Wunsch ist nicht erfüllbar...zu teuer und zu aufwendig.“ Frau Schulz schluckt schwer, fühlt sich niedergeschlagen, da Lea einen so großen Wunsch hat. „Vielleicht kann man ihn doch erfüllen?“ „Sie wünscht sich, dass sie die Nordlichter sehen darf...und das möchte sie mit ihrer Lieblingsband. The Rasmus, falls Ihnen das etwas sagt.“ „Oh...das ist ein großer Wunsch...mmmh...aber ich denke, dass sich da etwas machen lässt. Immerhin ist das der letzte Wunsch für ein Kind, da kann so etwas ja nicht so schwer sein. Hören Sie: Ich werde mich die nächsten Tage darum kümmern und rufe Sie am Freitag an. Dann werde ich Ihnen sagen, ob es möglich ist oder nicht.“, sagt Frau Jahn optimistisch, macht Leas Mutter damit Mut. Mut, dass ihre Tochter vielleicht doch noch etwas Wunderschönes erlebt in ihrem viel zu kurzem Leben. „Das würde ich Ihnen nie vergessen.“, ist ihr Kommentar dazu, bevor sich das Gespräch dem Ende neigt. Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen steigt Leas Mutter die Treppen nach oben, öffnet die Zimmertür ihrer Tochter und sieht ihr beim Schlafen zu. Blacky hat es sich auf ihren Beinen bequem gemacht, schmatzt vergnügt vor sich her. ‚Mein kleiner Engel.’, schwirrt es Frau Schulz durch den Kopf, bevor sie die Tür leise wieder schließt und in der Küche verschwindet, um Lea ihr Lieblingsessen zu machen – Gemüselasagne. -3- Die Tage vergehen schnell. Lea nutzt ihre Zeit, um alles zu machen, was sie in den letzten Monaten vernachlässigt hat. Sie trifft sich mit ihren Freundinnen, dreht mit Blacky lange Runden, schaut am See vorbei oder fährt in den Zoo, um sich alle Tiere einzuprägen und sich die schönen Seiten der Natur in das Gedächtnis zu rufen. Sie lebt ihr Leben viel intensiver, versucht alles nachzuholen, was sie verpasst hat. Doch trotzdem hat sie Angst vor dem Gedanken, dass sie nicht mehr lange lebt. Sie hat Angst davor einfach zu gehen und ihre Mutter allein zu lassen. Manchmal läuft sie gedankenversunken bei Sonnenuntergang am Wasser entlang, betrachtet die Schönheit der Natur und fragt sich, warum sie nicht früher darauf aufmerksam geworden ist. Leas Mutter tut alles für ihre Tochter, was sie nur kann. Ermöglicht ihr Reitstunden, den Besuch in der Schwimmhalle oder das teure Essen bei Mc Donalds, was sonst nur eine Seltenheit war, da die Beiden nicht viel Geld zur Verfügung hatten. Aber nun spielt das keine Rolle mehr. Es ist egal geworden. Und es zählt nur noch der Moment, in dem sie noch zusammen sind und sich noch in den Armen liegen können. Bald könnte dies zu Ende sein und dann würden sie sich wünschen, dass sie die Zeit intensiver genutzt hätten. Die Woche bis zum Freitag vergeht schnell, sodass auch Leas Mutter immer zappeliger wird und sich von tiefstem Herzen wünscht, dass Frau Jahn erreicht hat, dass Lea ihr Wunsch erfüllt bekommt. Seit Donnerstag geht es Lea schlechter. Sie plagt über Kopfschmerzen und Lähmungserscheinungen im Beinbereich. Auch ist sie schwach geworden, isst nicht viel, da jedes Schlucken eine Anstrengung ist. Der Weg die Treppe rauf zu ihrem Zimmer wird immer schwerer und anstrengender, genauso wie die Spaziergänge mit Blacky. Frau Schulz kommt sich hilflos vor. Außer den Tabletten kann sie ihrer Tochter nicht helfen. Manchmal fühlt sie sich komplett leer, wenn sie Lea sieht. Ihre einzige Tochter, alles was sie noch hat. Freitag kommt Lea gar nicht aus dem Bett, möchte den ganzen Tag schlafen und träumen. Sie will die Schmerzen nicht spüren, die sich in ihrem Kopf eingenistet haben. Während das Mädchen schläft, stirbt Frau Schulz fast den Aufregungstod. Jede Sekunde wird auf der Uhr mitgezählt, jede Minute eingeprägt und bei jedem Geräusch, was einem Telefon ähnelt, zuckt sie zusammen. Doch den ganzen Tag über meldet sich niemand. Keine Verwandtschaft, keine Freunde, keine Ämter. Es ist totenstill im Haus der Schulz’. Als Frau Schulz gerade beim Abendbrotmachen ist, hört sie das Läuten des Telefons. Schnell sprintet sie ins Wohnzimmer und hebt den Hörer ab. „Schulz?“, fragt sie leise, aufgeregt und in der Hoffnung eine gute Nachricht zu hören. -4- „Schönen guten Tag, Frau Schulz. Hier ist Frau Jahn.“, ertönt die freundliche Stimme der Pressefrau. „Es geht um Lea.“ Kein negativer Ton ist zu hören, was Frau Schulz mehr als erleichtert. „Eine ganz schön schwere Sache, die Ihre Tochter sich da ausgedacht hat. Ich habe mit dem Management der Band telefoniert und mit dem Sänger der Band selbst. Nach langem hin und her mit dem Manager, kam von der Seite aus ein eindeutiges Ja.“ Stille. Absolute Stille. Nur das Atmen beider Personen ist zu hören. Sonst ist alles ruhig. „Frau Schulz?“, fragt Frau Jahn lächelnd. „Ich bin sprachlos.“, kommt es von dieser. „Ich weiß gar nicht wie ich Ihnen danken soll. Das ist...das ist unglaublich.“ Dann herrscht wieder Ruhe. „Da gibt es nichts zu danken, Frau Schulz. Also ich habe das jetzt so geregelt, dass die Band am kommenden Mittwoch bei Ihnen auftaucht und Sie sich mit den Vieren vertraut machen können. Ich habe auch schon mit den Menschen von der Wetterstation telefoniert und nachgefragt, ob in den nächsten Wochen Nordlichter auftauchen könnten. Der werte Herr hat mir erklärt, dass es Montag- oder Dienstagabend in zwei Wochen zu diesem Schauspiel kommen könnte. Er war sich aber nicht genau sicher, daher habe ich mir Gedanken gemacht und mir überlegt, dass man Lea ja einen Urlaub gönnen könnte. Dann würde ich vorschlagen, dass sie am Donnerstag mit der Band nach Finnland fliegt und dort für ein paar Tage bleibt. Sobald Lea die Nordlichter gesehen hat, wird sie wieder nach Berlin geflogen. Aber Sie müssen sich im Klaren sein, dass niemand weiß, wann Leas Herz zu schlagen aufhört. Es ist ein Spiel mit dem Ungewissen.“ Frau Jahn redet langsam, ruhig, damit Leas Mutter ihr folgen kann, die immer noch in einem Trancezustand ist. „So lange Lea diesen Wunsch erfüllt bekommt, bin ich für alles bereit. Vielleicht auch dafür, dass ich nicht die letzten Minuten mit ihr verbringen kann. Sie soll glücklich sein. Nicht ich.“ Frau Schulz schluckt dennoch einen schweren Kloß den Hals hinunter und stellt sich vor wie es wäre, wenn ein Anruf käme mit der Nachricht, dass Lea nicht mehr am Leben sei. Doch diesen Gedanken schüttelt sie ab, denkt daran, dass es um ihre Tochter geht und nicht um sie selbst. „Ich bin damit einverstanden.“, lautet Frau Schulz’ Antwort. Wieder wird das Telefonat beendet. Doch dieses Mal mit der Vereinbarung, dass Frau Jahn am Mittwoch mit The Rasmus zu Frau Schulz kommt, um weitere Maßnahmen zu besprechen. „Wer war das?“, ertönt die leise Stimme Leas im Wohnzimmer. Ihre dünnen Hände halten sich krampfhaft am Türrahmen fest. „Ein Arzt vom Krankenhaus. Er wollte wissen wie es dir geht. Hast du Hunger?“, lenkt ihre Mutter schnell ab, denn sie will nichts verraten. „Oh ja...mein Magen knurrt schon.“ Lea dreht sich um, trottet in die Küche und setzt sich an den Essenstisch. Frau Schulz macht das Essen fertig, macht Lea einen Teller voller Spaghetti und stellt diesen vor ihrer Tochter ab. Zufrieden isst sie das leckere Essen. Dieses Mal ohne Schmerzen, was ihrer Mutter ein Lächeln auf das Gesicht haucht. Während Lea noch im Ungewissen steht, wird ihre Mutter von Tag zu Tag hibbeliger und aufgeregter. Ständig macht sie sauber, bleibt keine fünf Minuten sitzen, um sich auszuruhen. Lea ist etwas verwundert von dem Verhalten ihrer Mutter, belächelt dies aber nur. Am Montag geht es ihr wieder so schlecht, dass sie den ganzen Tag nur im Bett liegt, nicht aufstehen will und immer wieder über die starken Kopfschmerzen klagt. Frau Schulz tut alles, was sie kann. Bringt ihr Essen ans Bett, dunkelt das Zimmer ab und sorgt dafür, dass Lea sich nicht langweilt. Doch meistens schläft sie nach wenigen Minuten wieder ein. Leas Mutter sitzt den ganzen Tag am Bett ihrer Tochter, streichelt ihre kalten Hände, ihren Kopf. Die Angst, dass dies der letzte Tag sein könnte, raubt ihr fast den Nerv und bei jeder Veränderung ihrer Atmung zuckt sie zusammen und ruckelt an Lea herum. „Ich lebe noch.“, antwortet diese dann nur, wirft ihrer Mutter ein Lächeln zu und schläft wieder ein. Selbst Blacky bemerkt, dass es seiner Freundin nicht gut geht und jammert dieses Mal nicht, wenn er nach draußen will. Er wartet so lange, bis ihm die Tür zum Garten geöffnet wird. ‚Noch 3 Tage, dann muss ich sie hergeben...’, schwirrt es Frau Schulz durch den Kopf, als sie auf ihre Armbanduhr schaut. Nachdem Lea tief und fest schläft, steht ihre Mutter auf, geht die Treppen nach unten und lässt Blacky raus. Sie selbst setzt sich auf die Couch, schaltet den Fernseher an und wird schließlich von ihren Tränen übermannt. Die Hilflosigkeit und das Leid ihrer Tochter zu sehen, bereitet ihr viel Schmerz und Kummer. Vor Allem an Tagen wie diesem Montag. -5- Langsam schleicht der Mittwoch näher. Dienstag ging es Lea noch schlechter als den Tag zuvor. Sie hat plötzlich Fieber bekommen und die Schwindelattacken haben selbst im Liegen bei ihr angehalten. Weinend saß sie stundenlang in ihrem Bett, hat Blacky gestreichelt und sich gefragt, warum gerade sie sterben muss. Doch auf diese Frage hat sie keine Antwort gefunden. Am Dienstag Abend hat sie zusammen mit ihrer Mutter ihre The Rasmus Kassette geschaut, bevor sie dabei schließlich eingeschlafen ist. Doch Leas Mutter kann diese Nacht nicht schlafen. Kein Auge macht sie zu. Immer in Gedanken an dem bevorstehenden Tag. Sie ist aufgeregt, zappelig und kann keinen klaren Kopf bekommen. Seufzend verbringt sie die Nacht vor dem Fernseher. Mitten in der Nacht schläft sie schließlich doch ein. Das Klingeln der Haustür weckt die Mutter gegen 10:30 Uhr, lässt sie von einem Moment auf den Anderen hellwach werden. Mit rasendem Herzen geht sie an die Haustür, greift nach der Klinke und drückt diese nach unten. Vor ihr stehen Frau Jahn, als einzige weibliche Dame in der Runde, dahinter die Mitglieder der Band. „Hallo. Kommen Sie rein...“, flüstert Frau Schulz, geht einen Schritt zur Seite. Nachdem jeder ein leises „Hallo“ von sich gegeben hat, werden sie in das Wohnzimmer geführt. Leas Mutter schaltet den Fernseher aus, hebt die Decke vom Sofa und schließt die Zimmertür, damit ihre Tochter nicht geweckt wird. Nachdem sie Frau Jahn und die vier Jungs gesetzt haben, fragt Frau Schulz nach Trinkwünschen. Doch keiner hat Durst. Es herrscht eine unangenehme Stille und Frau Schulz weiß gar nicht, was sie sagen soll, so aufgeregt ist sie. „Wo ist Lea?“, macht Frau Jahn schließlich den Anfang. „Sie schläft...die letzten Tage ging es ihr sehr schlecht. Sie hat nur geschlafen.“ Frau Schulz setzt sich nun auch auf das Sofa, starrt traurig auf ihre Hände. „Ihre Tochter...muss sie irgendwelche Tabletten nehmen? Ich sollte das wissen, bevor sie mit mir nach Finnland kommt...” Lauri sieht zu Leas Mutter rüber, mustert sie leicht. Irritiert über die Frage, überlegt sie kurz, bevor sie antwortet. „Ja...morgens nimmt sie eine Tablette gegen die starken Kopfschmerzen und abends auch...aber das weiß sie selbst.” Lauri seufzt auf, wendet sich an seine Bandmitglieder und ist kurz in einem Gespräch mit ihnen vertieft. Für einen Moment herrscht Ruhe, bevor er sich wieder an Frau Schulz wendet. „Und...wenn es ihr schlechter geht...was soll ich dann machen? Ich weiß nichts über ihre Krankheit...”, fragt Lauri dann weiter nach, will am Besten alles wissen, um nicht hilflos dazustehen, wenn es Lea schlechter geht. „Ich weiß es nicht...ich denke, dass sie ein bisschen schlafen sollte...aber wenn es zu schlecht wird, dann...ich denke, dass es ihr letzter Weg sein wird.” Frau Schulz seufzt, wischt sich mit der Handfläche über die Augen. Es ist ein komisches Gefühl, dass sie einem völlig Fremden etwas über ihre Tochter erklären muss. Und dann noch Fragen, die sie sich selbst noch nicht gestellt hat. Als wieder Ruhe herrscht, hört man die Treppen knarren, sodass Leas Mutter zusammenzuckt und Richtung Wohnzimmertür schaut. Kurz darauf wird die Tür geöffnet und Lea betritt den Raum. Leise macht sie die Tür hinter sich zu, hat den Blick noch nicht weiter als auf die Klinke gerichtet und als sie aufsieht, scheint es fast so, als würde ihr Herz stehen bleiben. „Oh mein Gott!“, sagt sie erschrocken, fast panisch. Da sitzt sie. Ihre Lieblingsband. Zum Anfassen nahe. „Hallo Lea...“, kommt es im Chor zurück. „Komm her, Lea. Ich möchte mich ein bisschen mit dir unterhalten.“, sagt Lauri leise. Er macht sich einige Sorgen um die nächste Zeit, da er derjenige sein wird, wo Lea übernachten wird. Lea schluckt schwer, geht langsam einige Schritte weiter und lässt sich dann zwischen Lauri und Aki fallen. „Wie geht es dir?“, fragt der Drummer leise. „Ähm...ich bin okay...ein bisschen müde, aber das geht schon...“ Sie traut sich gar nicht aufzusehen, ist viel zu aufgeregt und kann das Alles gar nicht fassen. Ihre Hände zittern hektisch und sie weiß nicht, wer um Himmels Willen die Vier hier angeschleppt hat. „Der Doktor...Herr Jahn...du kennst ihn?” Leichtes Nicken von Leas Seite. „Er hat seiner Frau etwas über deine Krankheit erzählt...und seine Frau hat deine Mutter angerufen. Deine Mutter hat erklärt, dass dein letzter Wunsch ist, dass du die Nordlichter sehen kannst und du es dir wünschst uns zu treffen, richtig?”, fragt Lauri leise, da er sich nicht sicher ist, wie sehr Lea auf Lautstärke reagiert. „Ja...richtig...es ist mein letzter Wunsch...”, flüstert sie fast. Frau Schulz zuckt etwas zusammen. Ihr letzter Wunsch. Das hört sich so an, als wäre es vorbei. Jetzt schon vorbei. „Okay...wir möchten dir diesen Wunsch erfüllen, Lea. Wenn du es wirklich willst...“ -6- Den ganzen restlichen Tag hat sich Lea mit Aki, Lauri, Pauli und Eero vertraut gemacht, hat sich mit ihnen unterhalten und ein wenig rumgealbert. Sie konnte für kurze Zeit die Schmerzen vergessen, die an ihr nagten. Schon in den wenigen Stunden hat sie die Vier ins Herz geschlossen und freut sich auf den bevorstehenden Tag, auch wenn ihre Mutter nicht mitkommen wird. Nachdem Frau Jahn und „The Rasmus“ wieder gegangen sind, machen sich Frau Schulz und Lea an die Arbeit einen Koffer zu packen. Alles wird ordentlich sortiert und nur das Wichtigste mitgenommen. Am Abend geht Lea früh ins Bett, um am nächsten Tag fit zu sein. Leas Mutter liegt lange wach in ihrem Bett, schaut gegen die Wand und versucht sich damit abzufinden, dass es das letzte Mal sein könnte, dass sie ihre Tochter sieht. Das letzte Mal, dass sie ihr sanftes Lächeln auf den roten Lippen erkennen kann. Der Verlust ihrer Tochter würde sie in den Abgrund reißen, doch geht es nicht um sie, sondern um Lea. Donnerstag Morgen klingelt der Wecker und Frau Schulz wird aus ihrem Wachschlaf gerissen. Mit einem Schlag ist sie hellwach. ‚Heute ist der Tag gekommen...’, schießt es ihr durch den Kopf. Verschlafen richtet sie sich auf und geht dann die Treppen nach oben, um ihre Tochter zu wecken. Als sie die Zimmertür aufmacht, kommt ihr ein wildtobender Blacky entgegen. Grinsend streichelt sie dem Hund über den Kopf und weckt ihre Tochter dann. Lea ist sofort wach und fast unerträglich mit ihrer Nervosität. Sie sprintet die Treppen rauf und runter und jubelt immer wieder. Wie damals, denkt Leas Mutter bei dem Anblick. Genau fünf Stunden später stehen Frau Schulz, Lea, Lauri, Aki, Pauli, Eero und Frau Jahn am Flughafen und begleiten die Band und das krebskranke Mädchen zum Flieger. Frau Schulz kann die Tränen nicht zurückhalten und bedankt sich immer wieder bei der Band. Oft nimmt sie ihre Tochter in den Arm und sagt ihr wie gern sie sie doch hat. Das drückende Gefühl, dass es das letzte Mal sein könnte, kehrt zurück und es fällt ihr schwer ihre Tochter gehen zu lassen. Sie weint immer noch, als ihre Tochter mit den vier Herren zum Flugzeug geht. „Bis irgendwann, mein Schatz...“, flüstert sie Lea nach. Genau 15.35 Uhr steigt der Flieger in die Luft und lässt Berlin hinter sich. Ein Abschied des Ungewissens... „Alles okay?“, fragt Lauri und sieht die aufgeregte Lea von der Seite an. „Ja, alles bestens.“ Sie lächelt leicht, schaut aus dem Fenster und betrachtet wie die Wolken am Fenster vorbei ziehen. „Hast du denn einen Wunsch, was wir in Helsinki machen wollen?“ Nun hat sich Aki von vorn nach hinten gewendet und sieht das Mädchen ebenfalls an. „Ähm...“ Sie wirft einen unsicheren Blick von Lauri zu Aki und wieder zurück. „Ich glaube nicht...“ Verlegen grinst Lea die Beiden an und schaut dann wieder aus dem Fenster. „Bist du schon oft geflogen?“ Lauri sieht das Mädchen fragend an. Kopfschüttelnd beobachtet sie ihn dabei, wie er in seinem Rucksack herum kramt und schließlich was zu trinken raus holt. „Du auch?“ Er hält es ihr entgegen und Lea nimmt es dankend an. Sie fühlt sich gegenüber der Band immer noch unwohl und ist jedes Mal aufgeregt, wenn sie von den Vieren angesprochen wird. Doch Lea weiß, dass sie das glücklichste Mädchen der Welt ist und dass nicht viele ihren Wunsch erfüllt bekommen. Vorsichtig setzt sie die Flasche an, als ein starkes Stechen im Kopf dafür sorgt, dass sie diese fast fallen lässt. „Aua...“, sagt sie leise, gibt Lauri das Trinken zurück und presst die Augen aufeinander. „Geht’s wieder?“, fragt er besorgt, greift nach ihrer Hand und drückt sie leicht. „Geht schon wieder...“, erwidert Lea, lässt ihren Kopf zurück sinken und seufzt hörbar aus. „Wenn irgendwas ist, dann sag es, okay?“ Lauri streichelt ihr über den Kopf. Das Mädchen nickt und schläft kurz darauf ein. Die Freude und die Anstrengung der letzten Stunden haben ihr doch ziemlich zugesetzt. -7- „Hey Lea...wir sind da...“, flüstert Lauri leise. Der Flieger ist vor wenigen Minuten zum Stehen gekommen und alle Passagiere sind schon ausgestiegen. Nur Aki, Lauri, Pauli und Lea sitzen noch im Flugzeug. Eero hat sich sofort auf den Weg zu seiner Frau und seinem Kind gemacht. Verschlafen öffnet das Mädchen ihre Augen, gähnt leicht und rappelt sich dann auf. Sie trottet den Dreien hinterher, etwas unsicher, aber trotzdem neugierig, was in Helsinki auf sie wartet. „Ich muss dann noch was einkaufen, möchtest du mitkommen oder gehst du erst mal mit zu Aki?“, fragt Lauri und bleibt auf ihrer Höhe stehen. Lea lächelt ihn kurz an und zuckt dann die Schultern. „Weiß nicht...mir egal...“, gibt sie als Antwort und ihr Gesicht wird von einem Grinsen überflogen. „Dann kommst du mit, okay?“ „Okay...“ Lea nickt bestimmt, nimmt Lauri einen Henkel von der Tasche aus der Hand und fasst mit an, damit er nicht alles tragen muss. Ein Lächeln zeichnet sich auf seinem Gesicht ab, als er auf das Mädchen nach unten sieht und ihre Freude allein in ihren Augen erkennt kann. Nach einiger Zeit, die sie zu Fuß gelaufen sind, kommen Lauri und Lea an seinem Haus an. Unterwegs haben sich schon Pauli und Aki verabschiedet, um selbst nach Hause zu gehen und etwas zu schlafen. „So, da wären wir...“, sagt Lauri, als sie die Wohnung betreten und er Leas und seinen Koffer in die nächste Ecke verfrachtet. Neugierig läuft die Neunjährige von Zimmer zu Zimmer und kommt schließlich in der großen Stube an. „Woooow...“, bringt sie erstaunt hervor und stürmt auf die Barhocker zu, um sich auf einen niederzulassen. „Gefällt’s dir?“, fragt Lintu, geht hinter die Bar und gießt zwei Gläser mit Cola ein. „Ja, es ist toll hier...“, erwidert Lea enthusiastisch und greift nach ihrem Glas, um einen Schluck zu trinken. „Na dann lass uns einkaufen gehen...“ Lauri geht wieder zurück in den Flur, schnappt sich seinen Mantel und sein Portemonnaie. Lea folgt ihm etwas langsamer, zieht sich schließlich auch an und verlässt zusammen mit Lauri die Wohnung. Schweigend laufen die Beiden nebeneinander her, bis sie wenig später am Einkaufscenter ankommen. Lea ist so von der Stadt fasziniert, dass sie sich umguckt, als würde sie das erste Mal in ein Center gehen. Als sie im Einkaufsmarkt angekommen sind, schnappt sich Lauri einen Wagen und steuert dann auf die ersten Regale zu. „So...was isst du denn gern?“, fragt er an Lea gewandt, nachdem er sich zwei Flaschen Mineralwasser mitgenommen hat. „Mmmh...Honig!“, kommt es von Lea und sie geht auf das Regal mit den Honigsorten, dem Nougat und der Marmelade zu. Schnell greift sie sich eines der Gefäße und legt es behutsam in den Einkaufswagen. Lauri muss wieder grinsen, als er die Kleine beim „Einkaufen“ beobachtet und kann sich gar nicht vorstellen, dass in dem kleinen Kopf etwas so Bösartiges wachsen kann. Genau 15 Minuten verbringen sie in dem Geschäft, bis alles eingesammelt ist und sie für die nächsten Tage über die Runden kommen. „Na dann lass uns mal bezahlen gehen.“ Lauri schnappt sich sein Portemonnaie aus der Hosentasche und geht auf die Kasse zu, gefolgt von Lea, die sich die Menschen um sich herum ansieht. „Was sprechen die für ne Sprache?“, fragt sie verwirrt, das sie nur lauter „ä’“, „ö’“ und „ü’s“ heraushören kann. „Das ist Finnisch...spreche ich eigentlich auch.“ Lauri zwinkert ihr zu, legt die Waren auf das Laufband. Lea sieht, dass es an der Zeit ist, dass sie ihm hilft, drängelt sich am Wagen vorbei und legt das ganze Zeug wieder zurück, nachdem es gescannt wurde. Zehn Minuten später sind die Beiden wieder in Lauris Wohnung, haben den Kühlschrank gefüllt und sitzen nun nebeneinander auf der Couch. „Kommen die Anderen heute auch noch mal?“, will Lea wissen und schmiegt sich etwas näher an Lauri heran, der für einen Moment mit der Situation überfordert ist, da er noch nie mit einem so jungen Mädchen in Kontakt stand. Vorsichtig legt er seinen Arm über ihre Hüfte, streicht kurz mit seinem Zeigefinger über ihre Wange und widmet sich dann dem Fernsehprogramm. Wenig später hört er schon Leas gleichmäßigen Atem und weiß, dass sie eingeschlafen ist. Lächelnd betrachtet er das Mädchen dabei wie sie schläft und hält es dann für besser sie ins Bett zu bringen. Vorsichtig hebt er sie nach oben und trägt sie zu seinem Schlafzimmer rüber, wo er sie auf das weiche Doppelbett legt und dann zudeckt. Lauri selbst geht wieder zurück ins Wohnzimmer und schaut weiter TV. -8- Als auch Lauri langsam müde wird, geht er ins Bad, um sich fertig zu machen. Leise öffnet er die Tür zu dem Zimmer, wo Lea schläft. Eingemurmelt in die große Decke nimmt sie gerade mal einen kleinen Teil des Bettes ein, sodass Lauri noch genügend Platz hat und nicht auf der unbequemen Couch schlafen muss. Lächelnd betrachtet er das Mädchen, bevor er sich vorsichtig mit ins Bett legt und sich zudeckt. Wenig später ist er auch schon eingeschlafen. Durch eigenartige Geräusche in der Wohnung erwacht Lea wenig später, sieht sich ängstlich im Zimmer um und hat Mühe ihre eigene Hand vor Augen zu erkennen. Mit einem Schlag fällt ihr ein, dass sie ihre Tabletten vergessen hat. Als es ein weiteres Mal im Raum knackt, zuckt Lea zusammen, klettert zu Lauri rüber und versucht ihn zu wecken.. „Lauri?“ Vorsichtiges Ruckeln an seiner Schulter lässt ihn erwachen und die sanfte Stimme von Lea ebenfalls. „Was ist?“, fragt er leise, reibt sich die Augen und öffnet sie dann. „Ich hab Angst...“, gesteht Lea kleinlaut, sieht ihn verlegen an und hofft, dass er sie nicht auslacht. „Wovor denn? Hier ist doch gar nichts.“, versucht er das Kind zu beruhigen. „Mh ja...aber...das ist so dunkel hier und ich hab meine Tabletten noch nicht genommen...“ Lea sitzt nun auf dem Bett und betrachtet ihren Lieblingssänger. „Wo sind die denn? Dann hol ich sie dir.“ „Brauchst du nicht...ich nehm sie morgen wieder.“ „Okay...na komm, schlaf weiter.“, murmelt Lauri leise, da er selbst total müde ist und seine Augen nur mit Kraft offen halten kann. „Darf ich bei dir schlafen?“ „Ja, komm her.“ Lea kuschelt sich an ihn heran, legt ihren kleinen Kopf auf seine Schulter und schläft wenig später wieder ein. Lauri merkt wieder mal wie wenig Kontakt er eigentlich zu kleinen Kindern hat. Um ihr etwas Sicherheit zu geben, dass nichts passiert, zieht er sie noch weiter an sich heran und schläft ebenfalls wieder ein. Die Sonne erwacht und lässt ihre Strahlen in das Zimmer scheinen. Lea, die sowieso kein Langschläfer ist, wird durch das Kitzeln ihrer Nase geweckt und öffnet zaghaft die Augen. Sie entwindet sich langsam Lauris Umarmung und klettert aus dem Bett. Für ihre neun Jahre ist sie sowieso schon ziemlich selbstständig und denkt von allein daran, dass sie ihre Tabletten nehmen muss. Vorsichtig tippelt Lea in den Flur, wo Lauri am Vorabend die Koffer abgestellt hatte. Dort schnappt sie sich ihre Tabletten und geht in die Küche, um diese einzunehmen. Trotzdem ihr ein großer Wunsch erfüllt wird, vermisst sie ihre Mutter und Blacky höllisch und wünscht sich, dass die Beiden jetzt bei ihr wären. Sie spürt Lauris Unsicherheit ihr gegenüber und weiß immer noch nicht wie sie sich verhalten soll. Irgendwie findet sie ihn komisch. „Morgen Lea.“, ertönt seine Stimme im Raum und sie zuckt leicht zusammen. „Morgen...“, wünscht sie ebenfalls. „Hunger?“ „Ja, etwas...“ „Okay, dann lass uns mal was essen..“ Lauri kramt in seinen Schränken nach etwas Essbarem und packt das auf den Tisch. „Können wir nachher mit meiner Mama telefonieren?“, fragt Lea vorsichtig und sieht ihn bittend an. „Ja, können wir machen.“, antwortet Lauri lächelnd, macht sich Kaffee und setzt sich ebenfalls, als dieser fertig ist, um sein Frühstück zu sich zu nehmen. -9- Nachdem Lea und Lauri ausgiebig gegessen und aufgeräumt haben, entschließen sie sich etwas von Helsinki anzuschauen. Lea war mit der Idee sofort einverstanden und es konnte gar nicht schnell genug gehen, dass sie endlich die Wohnung verließen. „Gehen wir auch in den Dom?“, fragt Lea und klimpert dabei mit ihren Wimpern. „Wenn du willst, dann gehen wir...der ist echt schön!“ Lauri biegt in die nächste Straße ein und von Weitem kann man schon die Spitze des Gebäudes sehen. „Danke schön...“ „Gern geschehen...“ Lea schaut sich die Umgebung an, kann das Meer schon sehen, wie es in der Sonne glitzert. Sie muss wieder an ihre Mutter denken und daran, dass sie eigentlich bei ihr anrufen wollten, es aber doch nicht getan haben. Da sie gern die Stimme ihrer Mama hören will, wendet sie sich wieder an Lauri. „Du, Lauri, rufen wir meine Mama dann noch an?“ „Ach ja...stimmt, hatte ich ganz vergessen. Wenn wir uns den Dom angeschaut haben, dann gehen wir erst mal wieder zurück, essen etwas und dann kannst du deine Mutter anrufen, einverstanden?“ Lauri blickt kurz zu ihr runter, kann sie nicken sehen und gibt sich damit zufrieden. Schweigend laufen die Beiden nebeneinander her bis sie schließlich vorm Dom stehen und Lea ihre Augen gar nicht von diesem prachtvollen Exemplar abwenden, sie ist zu gefesselt. „Gefällts dir?“ Lauri ist hinter ihr stehen geblieben, schaut sich aber doch eher nach Presseleuten als nach dem Dom um. Zwar weiß er, dass Leas Schicksal und die Erfüllung ihres Wunsches öffentlich gemacht werden, aber dass ihn schon vorher jemand mit einem 9-jährigem Mädchen sieht, muss nicht unbedingt sein. „Na komm, lass uns den Dom mal von innen anschauen.“, sagt Lauri leise, da er in der Ferne einige verdächtige Leute bemerkt hat. „Okay...“ Ohne Widerstand folgt Lea ihrem „Aufpasser“. Zusammen betreten sie die Hauptkirche und sehen sich alles genauer an. Lauri beobachtet Lea dabei wie ihre Augen vor Freude regelrecht glitzern und sie sowieso sehr glücklich aussieht. Lauri ist gerade dabei sein Handy auszuschalten, als er aus dem Augenwinkel sieht wie Lea nach hinten wegkippt. So schnell er kann, rennt er auf sie zu, fängt sie auf, bevor ihr Kopf auf dem Boden aufschlägt. „LEA! LEA!“, ruft er laut, schüttelt ihren Körper durch. Die anderen Besucher werden aufmerksam, brüllen nach dem Krankenwagen und andere zücken ihre Handys. Lauri bekommt es mit der Panik zu tun, da Lea weder reagiert, noch atmet. Nach wenigen Minuten wird der Sänger von einem Sanitäter zur Seite gedrückt und Lauri kann nur hilflos beobachten, wie Lea auf eine Trage gelegt wird und dann mit Blaulicht ins nächste Krankenhaus kommt. Sofort rennt er auf den Taxistand zu, bittet den Fahrer dem Krankenwagen zu fahren, in der Hoffnung, dass es noch nicht zu spät ist. -10- An einer Ampel verliert der Taxifahrer den Krankenwagen und nur auf Vermutung weiß Lauri in welches Krankenhaus sie gebracht wird. Als er an der Information ankommt, ist gerade keiner an dieser und vor Wut und Angst macht ihn das nur noch aufbrausender. „Kann ich Ihnen einen Gefallen tun?“, fragt eine Frau in weiß, die gerade angelaufen kommt. „Ist hier gerade ein Mädchen eingeliefert worden??“, schnell stellt er seine Frage in der Hoffnung, dass Lea in diesem Krankenhaus liegt. „Ich weiß nicht, aber ich frage mal nach.“ Die Schwester wendet sich ab, setzt sich auf ihren Stuhl und greift nach dem Telefonhörer. Nach einigen Minuten legt sie wieder auf. „Ja, hier ist eben ein Mädchen eingeliefert worden...sie liegt auf der Intensivstation...Sie können aber derzeit nicht zu ihr.“ „Ich habe die Verantwortung für das Kind...sie leidet unter einem Gehirntumor...“ Lauri zittert vor Aufregung, hält sich mit Mühe auf den Beinen, da sich diese anfühlen, als würden sie jeden Moment unter seinem Gewicht wegknicken. „Oh...ich...ähm...wenn sie Zeit haben, können sie vor dem Raum warten.“ Lauri nickt und lässt sich von der Schwester durch die Gänge nach oben führen. Lea bemerkt ihre Umgebung wie durch einen Schleier, hört die Stimmen der Anderen wie durch einen seltsamen Schleier, fast wie ein Echo. Ständig wird an ihr rumgefuchtelt. Sie weiß nicht mehr, was passiert ist, kann sich nur noch an den Moment erinnern, wie sie ein Bild im Dom angeschaut hat und noch im Hinterkopf hört sich Lauris Rufe. Am Liebsten wäre sie jetzt zu Hause bei ihrer Mutter, würde sich von ihr in den Arm nehmen lassen, aber sie kann nicht mal die Augen öffnen, denn alles ist taub und sie ist selbst wie im Halbschlaf. Irgendwann wird es dunkel vor ihren Augen und die Stimmen sind weg. Sie merkt, dass sie allein ist, denn keine Geräusche sind mehr zu hören, nur das regelmäßige Piepen der Herzmaschine. Mitten in der Nacht hört sie wie jemand in das Zimmer tritt, sich einen Stuhl ranzieht. Vorsichtig versucht sie ihre Augen zu öffnen und kann Lauris Umriss erkennen. „Hey Lea...“, flüstert er leise, greift nach ihrer Hand und nimmt sie in seine. Ihre Finger fühlen sich an wie Eiszapfen und in ihrer Ader ist eine Kanüle gesteckt. „Was ist passiert?“, fragt Lea leise, kann nun normal sehen. „Du bist umgefallen...und dann wurdest du ins Krankenhaus gebracht...ich weiß nicht, was los war.“ Erleichtert, dass es ihr etwas besser geht, seufzt Lauri hörbar aus. „Morgen geht’s mir bestimmt wieder besser...wir haben immer noch nicht mit Mama telefoniert.“, sagt Lea leise. „Ich hab sie vorhin angerufen...wir machen das, sobald du hier wieder raus bist, okay? Ich dürfte eigentlich nicht mehr hier sein, aber die Ärzte waren so freundlich...ich komm morgen ganz früh zu dir, okay Kleine?“ Lauri streichelt ihr mit seiner freien Hand über das Gesicht und steht dann auf. „Okay...bis morgen Lauri.“, antwortet Lea leise und spürt kurz darauf einen Hauch auf ihrer Stirn und sie weiß, dass Lauri ihr einen Kuss auf diese gegeben hat. Auf ihrem Gesicht breitet sich ein riesiges Lächeln aus, so gut es geht und sie findet, dass Lauri irgendwie ja doch ganz cool ist. Als er das Zimmer verlassen hat, taucht sie auch schon wieder ins Land der Träume ab. -11- In Gedanken bei Lea läuft Lauri durch die Straßen, ist wenig später zu Hause und lässt sich dort sofort ins Bett fallen. Als er vorhin sowieso nichts für sie tun konnte, hatte er mit Leas Mutter telefoniert und diese hat am Telefon einen regelrechten Zusammenbruch erlitten. Er denkt, dass es das Beste ist, wenn er ihr sagt, dass es Lea wieder etwas besser geht. Also greift er zum Telefon und wählt die Nummer, die er von ihr persönlich bekommen hat, falls etwas ist. „Ja?“ Eine schniefende Stimme ist am anderen Ende zu hören. „Hier ist Lauri. Ich war gerade bei Lea...es geht ihr besser.“, sagt Lauri langsam und ist froh, dass er diese Nachricht überbringen kann. „Oh mein Gott...zum Glück!!! Ich dachte schon es ist vorbei...“ Leas Mutter klingt sichtlich erleichterter. Die Beiden unterhalten sich noch eine Weile über das, was in den nächsten Tagen geschehen soll. Montag soll es dann nach Lappland gehen und dort sollen diesen Abend die Nordlichter erscheinen. Anschließend wird Lea wieder nach Deutschland zurückkehren und dort ihre letzten Tage verbringen. Nach einer halben Stunde legt Lauri wieder auf, geht zurück ins Schlafzimmer und entscheidet sich ebenfalls schlafen zu gehen. Der nächste Morgen lässt nicht lange auf sich warten. Das Wetter ist wesentlich trüber als am Vortag und so fällt es einem sowieso schon schwer aus dem Bett zu kommen. Aber Lauri ist sofort hellwach und macht sich fertig, um dann zu Lea zu können. Nachdem er so schnell es geht, gefrühstückt hat, schnappt er sich ein Taxi und lässt sich zum Krankenhaus fahren, wo Lea schon auf ihn wartet. Als die Tür aufgeht, macht Leas Herz einen Sprung und ein leichtes Lächeln huscht über ihr Gesicht. „Morgen...“, sagt sie leise. „Morgen Lea...alles klar?“ Lauri zieht sich wieder einen Stuhl ran und lässt sich neben dem Bett nieder. „Na ja...mein Kopf tut immer noch weh und meine Augen auch...weißt du, wann ich hier wieder raus darf?“ Sie lässt sich zurück ins Kissen sinken und macht einen kurzen Moment die Augen zu. „Nein, weiß ich nicht. Ich geh mal fragen, okay?“ Lea beantwortet das nur mit einem Nicken. Sie fühlt sich ziemlich schlapp und ausgelaugt. Die Kopfschmerzen sind zurück gekehrt und alles tut ihr weh. Sogar das Sprechen verursacht ihr leichte Schmerzen. Nach wenigen Minuten kehrt Lauri wieder zurück ins Zimmer. „Na ja...“, beginnt er. „Sie meinten, dass sie dich nicht vor morgen rauslassen wollen...weil es dir noch so schlecht geht und...“ Er verschluckt den letzten Satz, behält ihn lieber für sich, als Lea ihr Schicksal zu nennen. „Ich will aber nicht noch länger hier bleiben!“ Schniefend zieht sie die Decke bis zur Nase hoch. „Ich weiß, Kleine...Aber es geht ja nur um deine Gesundheit. Morgen früh hol ich dich dann ab und wir machen was gemeinsam mit den Jungs, okay?“ Lauri nimmt ihre kleine Hand in seine und streichelt vorsichtig darüber. „Mh...okay...“, erwidert Lea nicht ganz überzeugt. „Und Montag fahren wir dann hoch ins Lappland und schauen uns die Nordlichter an...morgen ist es ja nur noch ein Tag...“ Lauri versucht weiterhin sie aufzumuntern, schafft das aber nicht so ganz. Er kann sich gut vorstellen wie es ist, wenn man weiß, dass man nicht mehr lange zu leben hat. Er würde durchdrehen bei dieser Unsicherheit, dass es jeden Moment zu Ende sein könnte und bestaunt Lea in dieser Hinsicht. -12- Den ganzen restlichen Samstag unterhalten sich Lea und Lauri, wobei er immer wieder versucht das kleine Mädchen zu beschäftigen und ihr zu zeigen, dass sie jetzt nicht allein ist. Manchmal schläft Lea einfach ein, ohne dass sie etwas sagt. Lauri tut es weh sie so leiden zu sehen und hofft, dass es ihr wenigstens die nächsten zwei Tage besser geht und er sich nicht so um sie sorgen muss. Als eine Schwester reinkommt, stellt sie fest, dass Lea nun auch noch unter Fieber leidet. Sie gibt der Kleinen keine weiteren Chancen mehr und erklärt Lauri im Stillen, dass sie ihr keine Woche mehr gibt. Dem Sänger versetzt die grausame Wahrheit einen Stich ins Herz. Er kennt Lea noch nicht lange, aber sie ist ihm doch ans Herz gewachsen. Dieser Überlebenswille und ihre Kraft weiterzumachen. Außerdem ist sie wohl das liebste Mädchen, was er bisher kennen gelernt hat. Als Lea nach einer Stunde immer noch nicht wach wird und es sowieso schon ziemlich spät ist, verlässt er das Krankenhaus. Vorher gibt er der Schwester noch Bescheid, dass er am nächsten Morgen wieder kommen wird. Ziellos irrt er durch die Straßen. In Gedanken immer an Lea. Er macht sich Sorgen um sie und hofft, dass sie wenigstens ihren Wunsch erfüllt bekommt, bevor sie sich entgültig verabschiedet. Warum muss gerade sie so ein Schicksal ereilen? Seufzend schlägt er den Weg zu Aki ein, hofft dort auf Eero und Pauli zu treffen. Lauri will sie über den Ablauf der nächsten Tage informieren und sie wegen der Fahrt nach Lappland fragen. Außerdem wissen die Drei noch nichts von Leas derzeitigem Zustand, da er sie seit dem Donnerstag nicht mehr gesehen hat. Nach wenigen Minuten kommt er an Akis Haustür an und betätigt die Klingel. „Ja?“ „Lauri...“ Und schon öffnet sich die Tür und Lauri sprintet die Treppen nach oben. „Hey...“, sagt er keuchend, tritt in Akis Wohnung ein und schiebt seine Schuhe in die nächste Ecke. „Wo issn die Kleine?“, fragt der Drummer verwirrt. „Im Krankenhaus...ihr Zustand hat sich verschlechtert...sie hat jetzt auch noch Fieber bekommen und es sieht nicht gut aus, Aki...“, antwortet er leicht geknickt, tritt ins Wohnzimmer von seinem Kumpel ein und kann dort zumindest Pauli sehen. „Hi“, begrüßt Lauri diesen, lässt sich aufs Sofa fallen und seufzt hörbar aus. „Lea liegt im Krankenhaus?“, fragt Pauli nach und mustert seinen Kumpel, der daraufhin nickt. „Na ja...ich denke, dass wir Montag die letzte Chance haben Lea ihren Wunsch zu erfüllen...“, beginnt der Sänger langsam, stockend. „Du willst sie doch nicht etwa in ihrem Zustand nach Lappland schleppen?“, fährt ihn Aki an. „Doch, Aki...wir können nicht länger warten! Sie kann jeden Tag nicht mehr aufwachen und was dann? Ich will ihr diesen Wunsch erfüllen und Montag ist nun mal der einzige Tag!“ „Das ist verrückt!! Wie willst du sie nach Lappland bringen? Dann in der Kälte...du weißt nicht genau, wann die Nordlichter auftauchen...außerdem wird sie im Krankenhaus bleiben müssen, wenn es ihr schlechter geht...du bringst sie damit um!“ „Verdammt, ich weiß, dass das gefährlich ist. Aber ich habe es ihr versprochen! Wir alle haben es ihr versprochen!! Lea bekommt diesen Wunsch erfüllt und wenn es das Letzte ist, was ich für sie tue!“ Wütend springt er auf. „Du bist nicht ihr Vater, Lauri...du entscheidest hier über den Tod von einem Mädchen! Was ist, wenn sie überleben würde, wenn sie im Krankenhaus bleibt?“ „Spiel dir nichts vor, Aki...sie wird sterben...ich merke das und sie weiß es auch! Wenn du mich hängen lässt, dann mache ich das allein...ich schaffe das, glaub mir. Und Lea wird es mir danken.“ Lauri geht in den Flur, schnappt sich seine Schuhe, als er von Paulis Stimme aufgehalten wird. „Lauri?“ Verwundert dreht er sich um. „Gewöhn dich nicht zu sehr an Lea... . Du musst sie hergeben, auch wenn du es nicht willst...aber du hast keine Chance, dass sie für immer bleibt...gewöhn dich an diesen Gedanken.“ Er sieht ihn ernst an. Pauli hat ein wenig Angst um Lauri, dass er sich zu sehr an das Mädchen gewöhnt und dann nicht damit klar kommt, wenn sie geht. „Ich weiß...“ Seufzend verzieht sich der Sänger und macht sich auf den Weg nach Hause, um dort sofort ins Bett zu gehen. „Ich erfülle dir deinen Wunsch, Lea...“, flüstert er in die Nacht, bevor ihn der Schlaf einholt. -13- Das schrille Klingeln des Weckers reißt Lauri aus seinen Träumen. Müde und niedergeschlagen trottet er ins Bad, macht sich dort fertig, um sofort zu Lea zu können. Nachdem er sich einen Apfel als Frühstück gegönnt hat, schnappt er sich Rauha und düst dieses Mal mit dem Fahrrad zum Krankenhaus. Nach einer geschlagenen Viertelstunde kommt er da auch an, schließt das Fahrrad an den Fahrradständer und betritt das große Gebäude. Da er den Weg bis zu Leas Zimmer mittlerweile kennt, geht er wie selbstverständlich zum Fahrstuhl und fährt in die Kinderstation. Die Gänge wollen kein Ende nehmen und endlich kommt er an ihrer Zimmertür an und öffnet sie. „Morgen Le-„ Verwirrt stockt er. Das Bett ist leer. Nicht mal ihre Sachen sind zu sehen. Sofort schießt ihm ein Gedanke durch den Kopf: Sie ist tot... Lauri spürt Tränen aufsteigen, schließt die Tür und hält nach einer Schwester Ausschau. Warum hat ihn niemand angerufen? „Ähm...hallo?“, fragt er, als eine Schwester durch den Gang läuft. Sie sieht ihn an, sagt aber nichts. „Da Mädchen, was in dem Zimmer war...wo ist sie?“ Stockend stellt er seine Frage, hofft darauf eine positive Antwort zu bekommen. „Meinen Sie Lea Schulz? Ihr Zustand hat sich über Nacht wieder verschlechtert...sie liegt wieder auf der Intensivstation...versuchen Sie da Ihr Glück...“ Lauri nickt nur, geht zurück zum Fahrstuhl und fährt zur Intensivstation hoch. Da er überhaupt keine Ahnung hat, wo Lea nun liegt, geht er zum Schwesternzimmer und fragt dort nach. „Die Kleine mit dem Tumor? Ja, die ist hier auf der Station...schauen Sie im Zimmer 10. Aber bitte nicht zu lange bleiben...sie braucht Ruhe.“, erklärt eine Ärztin und wendet sich dann wieder den Akten zu. Lauri sagt nichts weiter, macht sich auf die Suche Zimmer 10 zu finden und steht wenig später davor. Die Hoffnung, dass Lea heute entlassen werden kann, erlischt von einem Moment auf den anderen. Leise öffnet er die Tür und kann das Mädchen in dem viel zu großem Bett liegen sehen. Ihre viel zu dünnen Arme liegen locker auf ihrem Bauch. Die Augen hat sie geschlossen. „Hey Kleines...“ Lauri zieht sich einen Stuhl ran, traut sich nicht mal sie zu berühren. Man sieht es ihr schon an, dass es ihr schlechter geht. Ihr ganzer Körper sieht aus wie ein Skelett. Vorsichtig öffnen sich Leas Augen und ein kurzes Strahlen ist in diesen zu sehen. „Schön, dass du da bist...“, sagt sie glücklich, würde ihn gern umarmen, aber die ganzen Verkablungen lassen das nicht zu. „Was machst du denn auch, Lea? Wir wollen doch morgen nach Lappland fahren...“ Vorsichtig greift der Sänger nach der Hand des Kindes und streichelt ihre knochigen Finger leicht. „Ich habe Angst, Lauri...“, gesteht Lea leise, flüsternd. „Ich weiß...aber ich bin bei dir...alles wird wieder gut...“ Wieder sticht es in Lauris Herzen und er schnieft leise. Viel zu sehr hat er sich schon an Lea gewöhnt, an ihr Lächeln und ihre Stimme. Und jetzt belügt er sie, indem er sagt, dass alles wieder gut wird. Dabei weiß es Lea doch so viel besser als er. „Ich hab dir was gemalt, Lauri...gestern Abend noch...ich konnte nicht schlafen.“ Lea deutet auf ihren kleinen Rucksack, der ordentlich auf dem Nachttisch steht. „Da ist es drin, glaub ich...“ Lauri öffnet den Reißverschluss und zieht ein weißes Blatt heraus. Zwei Menschen sind zu erkennen. Es soll die Beiden darstellen. Lea hält Lauris rechte Hand und im Hintergrund sind die Nordlichter. Das Bild ist in grau gehalten. In etwa so, wie es wahrscheinlich in Leas Innerem aussieht. Ein Lächeln bedeckt Lauris Gesicht und vor Rührung treten wieder Tränen in seine Augen. „Danke, Lea...“, sagt er und nimmt das Mädchen leicht in den Arm. „Behältst du es?“, fragt Lea vorsichtig, woraufhin Lauri heftig nickt. Er wird es als Erinnerung behalten. Für immer. -14- „Sie müssen dann gehen...“ Die Stimme eines Arztes ist zu hören und für Lauri heißt das, dass er Lea nun allein lassen muss. „Mh...okay...“, sagt er an den Doktor gewandt und dreht sich dann noch mal zu dem Mädchen um. „Morgen komm ich wieder und hol dich ab...dann fahren wir nach Lappland und schauen Nordlichter...ich versprech’s dir!“ Lauri haucht Lea einen Kuss auf die Stirn und verlässt das Krankenzimmer schließlich. „Ähm...“, wendet er sich wieder an den Arzt. „Ich...würde gerne mit Ihnen reden...ginge das?“, fragend sieht er diesen an und hofft darauf, dass er ein bisschen Zeit für ihn opfern kann. „Mh...okay...aber nur kurz.“, meint der Arzt und führt ihn in einen Raum. Lauri lässt sich auf einen Stuhl sinken und wartet bis der Arzt ebenfalls Platz genommen hat. „Es geht darum...Lea ist hier in Finnland, weil sie sich gewünscht hat ein Mal die Nordlichter zu sehen...aber da es ihr schlechter geht und nicht die Hoffnung besteht, dass sie hier noch mal rauskommt, würde ich mir gern Ihre Erlaubnis holen, dass ich Lea morgen mitnehme und mit ihr zusammen nach Lappland fahre...es könnte jeden Tag zu Ende sein und ich würde ihr gern diesen Wunsch erfüllen, bevor sie geht.“ Seufzend raspelt Lauri seinen Text runter und hofft, dass der Arzt ihm das erlaubt. Dieser legt seine Stirn in Falten, sieht Lauri über seine Brille hinweg an. „Eigentlich ist mir das untersagt...aber ich weiß selbst, dass das Mädchen nicht mehr lange zu leben hat. Ich werde heute Abend noch mal mit der Mutter telefonieren. Wenn diese ebenfalls damit einstimmt, dann können Sie Lea morgen mitnehmen...aber Sie müssen sich bewusst sein, dass das Kind diese anstrengende Fahrt nicht durchhält...“ Lauri nickt, seufzt wieder. „Ich weiß...danke sehr.“ Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, verlässt er das Krankenhaus wieder. Warum muss ihm jeder immer und immer wieder sagen, dass Lea nicht mehr lange zu leben hat? Es ist die Wahrheit, aber sie tut ihm weh. Es ist so ungerecht, dass die Kinder vor den Eltern gehen. Lauri kramt das Bild von Lea aus seinem Rucksack, als er in seiner Wohnung ist, und legt es auf den Tisch. Eine einsame Träne rollt an seinem Gesicht runter und er kann nun in etwa erahnen wie es Leas Mutter geht. Um sie über Leas Zustand und sein Vorhaben zu informieren, greift er zum Telefonhörer und wählt die Nummer von Frau Schulz. Nach einiger Zeit, in dem nur das Tuten sein Gesprächspartner war, hebt jemand ab. „Schulz?“ „Hier ist Lauri Ylönen...es geht um Lea.“, beginnt Lauri langsam. Schweigen am anderen Ende. „Nein...sie ist nicht tot...“, beruhigt er die Mutter. „Aber es geht ihr schlechter...sie liegt wieder auf der Intensivstation und es sieht nicht gut aus... . Ich glaube, dass es zu Ende geht, Frau Schulz. Lea gibt sich selbst schon auf, das sehe ich in ihren Augen...sie hat mir vorhin gesagt, dass sie Angst hat...sie weiß, dass sie nicht mehr lange leben wird. Ich muss Ihr Einverständnis bekommen, dass ich trotz der Umstände Lea morgen aus dem Krankenhaus hole und mit ihr nach Lappland fahre. Der Arzt möchte Sie auch noch mal anrufen, heute Abend. Ich weiß, dass es gefährlich ist, aber wir haben Lea versprochen, dass sie die Nordlichter sehen wird. Ich würde mich schuldig fühlen, wenn ich das Versprechen brechen würde...“ Immer wieder stockt er, holt Luft, schweigt und redet dann weiter. Warum gerade Lea? „Ich habe mein Einverständnis schon gegeben, als ich Lea mit Ihnen nach Finnland geschickt habe...ich will nur, dass meine Tochter ihren Herzenswunsch erfüllt bekommt... . Auch wenn es sie umbringt. Ich würde selbst gern nachreisen, aber ich würde damit nicht klar kommen, wenn sie in meinen Armen stirbt.“ Leas Mutter bricht am anderen Ende des Hörers in Weinen aus und Lauri weiß im Moment überhaupt nicht wie er reagieren soll. Was ist, wenn Lea in seinen Armen stirbt? „Es tut mir Leid, Frau Schulz... . Ich melde mich, sobald es wieder etwas Neues gibt.“ Ohne auf eine weitere Antwort von ihr zu warten, legt Lauri auf und betrachtet wieder das Bild auf seinem Schreibtisch. Er braucht jetzt Ablenkung. Es ist noch früh am Tag und das ewige Nachdenken macht ihn fix und fertig. Lauri schnappt sich seine Schuhe und seinen Mantel und macht sich auf den Weg zu Aki. Wenigstens etwas Gesellschaft... -15- Nachdem Aki Lauri etwas ablenken konnte, ist er schließlich in der Nacht nach Hause gegangen. Stundenlang haben sie die Route ausgemacht, die sie fahren, um nach Lappland zu kommen. Irgendwann haben sie dann eine passende gefunden, mit der Beide einverstanden waren. Eero und Pauli wurden zu 15 Uhr zum Krankenhaus bestellt, damit Lauri und Aki noch alle Einzelheiten klären und das Auto etwas gemütlicher für Lea machen können. Lauri kann nicht schlafen, wälzt sich von einer Seite auf die Andere und gibt es schließlich auf. Seine Gedanken hängen bei Lea und immer wieder fragt er sich, ob seine Entscheidung die Richtige war. Ruhelos verbringt er die restliche Nacht vor dem Fernseher, bis er sich gegen 7 Uhr schließlich einen Kaffee macht, dann duschen geht und alles weitere regelt. Jede Minute schaut er auf die Uhr, hofft, dass die Zeit endlich vergeht und Aki bei ihm auftaucht. Punkt 13 Uhr klingelt es dann auch schon und Lauri sprintet die Treppen nach unten. „Hei...“, begrüßt er seinen Freund mit trübem Gesicht und selbst Aki sieht nicht so aus, als hat er in der Nacht lange geschlafen. „Moi...“, antwortet der Drummer und geht zusammen mit Lauri zu seinem Auto. Schweigend sitzen die Beiden nebeneinander, bis sie das Krankenhaus erreichen. Keiner steigt aus. Ängstlich wird das Gebäude betrachtet und niemand sagt etwas, bis Lauri seufzt und dann den Anfang macht.. „Wir können uns nicht davor drücken.“, flüstert er Aki zu. Dieser nickt und steigt zusammen mit Lauri aus.. „Lass uns schon mal reingehen...“ Zusammen betreten die Beiden das Krankenhaus und fahren hoch zur Intensivstation. Lauri wird immer nervöser. Jeder Schritt in Leas Richtung macht ihn unsicherer, als er schon ist. Ist es richtig, was er tut? Bringt er sie damit wirklich um? Doch er hat es ihr versprochen und Versprechen darf man nicht brechen. „Wir sind da...“ Lauri deutet auf die Zimmernummer 10. „Na dann...“ Selbst Aki sieht betrübt aus, obwohl er noch nicht so viel mit Lea zu tun hatte. Aber allein der Gedanke, dass sie es nicht überlebt, macht ihn traurig. Als die Beiden die Tür öffnen, sitzt Lea auf ihrem Bett und lächelt. Alle Kabel sind verschwunden. Lauri sieht Aki verwundert an, schließt die Zimmertür und geht auf Lea zu. „Hey, alles klar?“, fragt er sie. Lea nickt und springt ihm regelrecht in die Arme. Gedanklich wundert Lauri sich darüber, dass es ihr wieder so gut geht. „Die Ärzte haben gesagt, dass ich heute sowieso raus dürfte...“ Das Mädchen lächelt breit und begrüßt schließlich auch Aki. „Ich hab mich ganz doll angestrengt, dass ich gesund werde, damit ich heute raus darf...“ Lea setzt sich, nachdem Lauri sich einen Stuhl rangezogen hat, auf seinen Schoß und lehnt sich gegen ihn. Dem Sänger zaubert das ein Lächeln auf das Gesicht und der Gedanke, dass sie die Fahrt nicht überlebt, verschwindet von einer Minute auf die Andere. Sie ist wie ausgewechselt, als ob sie nie krank war und doch erinnern ihn die dünnen Arme an die Realität. Aki, Lauri und Lea unterhalten sich über den anstehenden Tag und verlassen kurz vor 15 Uhr mit der Genehmigung des Arztes das Krankenhaus. „Du Lauriii?“ Lauri dreht sich um und wartet auf Leas Frage. „Sitzt du mit hinten?“ Lieb blinzelt sie ihn an und ihrem kindlichen Gesicht kann man gar nicht widersprechen. „Klar...“ Von weitem sieht man schon Pauli und Eero, die zusammen den Weg langgeschlendert kommen. „Da seit ihr ja...dann können wir ja los fahren...“, murmelt Aki und steigt in das Auto ein. Geheuer ist ihm die Sache immer noch nicht, aber nun gibt es kein zurück mehr. Ihm kommt Leas plötzlicher gesundheitlicher Wandel ziemlich spanisch vor. Weiter darüber nachdenken möchte er aber eigentlich gar nicht. Nachdem sich Pauli auf den Beifahrersitz gequält hat, nimmt Eero hinter diesem Platz. Lea sitzt in der Mitte und Lauri hinter dem Fahrersitz, Leas Rucksack in den Händen haltend. Fünf Minuten nach 15 Uhr geht die Reise nach Lappland los... -16- Insgesamt vier Stunden sitzen die Fünf im Wagen. Lea ist unterwegs eingeschlafen und bei der Ankunft schläft sie immer noch. Während Pauli, Eero und Aki aussteigen, weckt Lauri seinen kleinen Engel vorsichtig. „Aufwachen...wir sind da...“, flüstert er und streichelt ihr über die Wange. Lea öffnet verwundert ihre Augen, fährt sich dann über diese und nickt. Mit hüpfendem Herzen klettert sie aus dem Wagen und erkennt wenig später, dass sie auf einem Berg sind. Von der Spitze aus kann man über das ganze Land schauen und die Aussicht in den Himmel ist bezaubernd. Leas Augen glänzen regelrecht vor Freude und sie hört gar nicht mehr auf zu lächeln. Lauri beobachtet das Mädchen die ganze Zeit, freut sich, dass es ihr besser geht und er ihr ihren Herzenswunsch erfüllen kann. „Es dauert jetzt nur ein bisschen bis die Nordlichter kommen...zieh dir am Besten deine Handschuhe an.“, meint Lauri, kramt in ihrem Rucksack und holt die Handschuhe hervor. Lea schlüpft in diese, lässt sich wenig später auf der Decke nieder, die Eero sorgfältig am Abhang platziert hat, und starrt die ganze Zeit in den Himmel. Irgendwann setzen sich Lauri, Aki, Pauli und Eero dazu, schweigen, hängen ihren Gedanken nach. Lea dreht sich nach einer Weile zu dem Sänger um, sieht ihn einen Moment lang an und klettert dann auf seinen Schoß. Ihren Kopf legt sie auf seiner Schulter ab. Eine einsame Träne kullert an ihrer Wange entlang und Lauri ist etwas erschrocken, als er den warmen Tropfen auf seiner Haut spürt. „Hey, was los?“, fragt er verwirrt, fährt ihr über das Gesicht und schaut sie eindringlich an. Lea schüttelt nur den Kopf und sagt nichts. Sie fühlt sich plötzlich so unendlich leer und wünscht sich, dass sie ihre Mama bei sich hätte. Sie würde ihren lieben Hund so gern in die Arme schließen und ihm sagen wie verdammt gern sie ihn hat. Lea steht auf, geht auf Eero zu und fällt ihm ohne jegliche Vorwarnung um den Hals. „Danke...“, flüstert sie. Dann geht sie zu Pauli, umarmt ihn ebenfalls und sagt ebenfalls „Danke.“ Auch bei Aki führt sie das Gleiche durch und lässt sich danach wieder auf Lauris Schoß fallen. Die Vier werfen sich verwirrte Blicke zu, zucken dann aber nur die Schultern. Vielleicht wollte sie sich nur bedanken, schießt es Lauri durch den Kopf. Doch etwas Anderes sagt ihm, dass sie sich verabschiedet hat. Diesen Gedanken verbannt er so schnell es geht wieder aus seinem Gedächtnis. Er will einfach nicht dran denken. Schweigend sitzen die Fünf auf der Decke, schauen in den Himmel. „Sie sind da...“ Leas Flüstern bricht die Stille und sie starrt zu den Nordlichtern empor. Ihr Traum geht in Erfüllung. Und mit dieser Erkenntnis weiß sie, dass sie sich verabschieden muss. Sie weiß, dass sie die Rückfahrt nicht mehr überleben wird. Ihr Herz hat es ihr gesagt und nur ihren letzten Wunsch erfüllen wollen, indem es sich die letzten Stunden angestrengt hat. „Lauri?“ Sie dreht sich zu ihrem Aufpasser um. „Ja?“, fragt er leise. „Sag meiner Mama, dass ich sie ganz doll lieb habe, machst du das?“ Tränen steigen in Leas Augen und Lauris Herz bleibt einen Moment lang stehen. „Lea, was redest du da?“, fragt er erschrocken. „Machst du es?“ „Ja...“ „Ich hab dich lieb, Lauri...danke.“ Sie dreht sich wieder um, blickt dem Spektakel am Himmel zu. Verschiedene Farben spiegeln sich wider und es ist einfach nur atemberaubend. Lea fühlte sich schon lange nicht mehr so wohl. Sie spürt wie ihr Herz immer schwächer wird, wie die Kraft aus ihren Adern schwindet. Lauri hält sie immer noch im Arm. Ihre Augen werden schwerer. Das Bild der Nordlichter behält sich Lea ganz fest im Gedächtnis. Sie will es nie wieder vergessen. Dann lehnt sie ihren Kopf zurück, schließt die Augen, hört noch ein letztes Mal Lauris Atem zu und findet schließlich den unendlichen Schlaf. „Bis irgendwann, Lea...“ And she was lost in the arms of destiny... 07.November 2004, 21:19:30 Uhr
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